Abrechnungsformen und Szenarien in der Schadenregulierung

20. Oktober 2016
rb_admin

expert-ing | Kfz-Ingenieurbüro Boskovski in DüsseldorfNach einem Ver­kehrs­un­fall mit einem Fahr­zeug­scha­den, haben Sie als Geschä­dig­ter das Recht der Wie­der­her­stel­lung des zuvor bestan­de­nen wirt­schaft­li­chen Zustands. Die Scha­dens­hö­he und der Wert des beschä­dig­ten Fahr­zeugs beein­flus­sen die Art der Scha­dens­re­gu­lie­rung bzw. die Ein­stu­fung des Scha­dens in Repa­ra­tur­scha­den, wirt­schaft­li­cher Total­scha­den oder tat­säch­li­chem Total­scha­den und somit die Ihnen zuste­hen­den Scha­dens­er­satz­an­sprü­che.

Aus­gangs­punkt bil­det dabei jeweils die Scha­den­kal­ku­la­ti­on des zuge­zo­ge­nen Sach­ver­stän­di­gen, unab­hän­gig davon ob die­ser von Ihnen beauf­tragt wur­de oder ver­si­che­rungs­ab­hän­gig agiert. Der Sach­ver­stän­di­ge ermit­telt die Repa­ra­tur­kos­ten (RK), den Wie­der­be­schaf­fungs­wert (WBW), den Rest­wert (RW) und die Wert­min­de­rung (WM) des beschä­dig­ten Fahr­zeugs, sowie den Wie­der­her­stel­lungs­auf­wand (WHA; Sum­me aus Repa­ra­tur­kos­ten und Wert­min­de­rung) und den Wie­der­be­schaf­fungs­auf­wand (WBA; Wie­der­be­schaf­fungs­wert abzüg­lich Rest­wert). Die­se Varia­blen füh­ren letzt­end­lich zu vier mög­li­chen Sze­na­ri­en und den dar­aus resul­tie­ren­den unter­schied­li­chen Abrech­nungs­for­men.

Sze­na­rio 1: In den häu­figs­ten Fäl­len lie­gen die vom Gut­ach­ter kal­ku­lier­ten Repa­ra­tur­kos­ten eines Fahr­zeug­scha­dens unter­halb des Wie­der­be­schaf­fungs­auf­wands, sodass Sie sich zwi­schen der Repa­ra­tur in einer Kfz-Werk­statt oder einer fik­ti­ven Aus­zah­lung der Scha­dens­hö­he ent­schei­den kön­nen. Bei der Wahl einer fik­ti­ven Abrech­nung erhal­ten Sie jedoch nur die fik­ti­ven Net­to­re­pa­ra­tur­kos­ten.

Sze­na­rio 2: Sofern der Fahr­zeug­scha­den (Sum­me aus Brut­to­re­pa­ra­tur­kos­ten und Wert­min­de­rung) über dem Wie­der­be­schaf­fungs­auf­wand liegt, jedoch unter­halb des Wie­der­be­schaf­fungs­wer­tes, spricht man von einem wirt­schaft­li­chen Total­scha­den bzw. von einem soge­nann­ten unter 100%-Fall. Als Geschä­dig­ter erhal­ten Sie den Ersatz der Repa­ra­tur­kos­ten bis zur Höhe des Wie­der­be­schaf­fungs­wer­tes und das unab­hän­gig davon, ob Sie den Scha­den voll­stän­dig, teil­wei­se oder gar nicht repa­rie­ren las­sen. Aller­dings sind Sie ver­pflich­tet das Fahr­zeug min­des­tens 6 Mona­te nach dem Unfall wei­ter zu nut­zen.

Sze­na­rio 3: Über­steigt der Fahr­zeug­scha­den hin­ge­gen den ermit­tel­ten Wie­der­be­schaf­fungs­wert, liegt ein tat­säch­li­cher Total­scha­den vor. Den­noch wird zwi­schen zwei Kal­ku­la­ti­ons­span­nen dif­fe­ren­ziert, näm­lich dem Tole­ranz­be­reich von 100% bis 130% und dem Bereich über 130% des Fahr­zeug­scha­dens im Ver­hält­nis zum Wie­der­be­schaf­fungs­wert. Inner­halb der zuerst genann­ten Span­ne wer­den dem Geschä­dig­ten die Kos­ten der Repa­ra­tur voll­stän­dig erstat­tet, sofern die­se sach- und fach­ge­recht und in dem vom Sach­ver­stän­di­gen defi­nier­ten Umfang durch­ge­führt wird. Außer­dem liegt auch hier­bei die Vor­aus­set­zung einer 6-mona­ti­gen Wei­ter­nut­zung des Fahr­zeugs vor. Eine fik­ti­ve Abrech­nung hin­ge­gen erfolgt nur bis zur Höhe des Wie­der­be­schaf­fungs­auf­wands.

Sze­na­rio 4: Im dem für den Geschä­dig­ten ungüns­ti­gen Fall lie­gen die vor­aus­sicht­li­chen Repa­ra­tur­kos­ten über 130% des Wie­der­be­schaf­fungs­wer­tes, was zu einem Scha­dens­er­satz­an­spruch in Höhe des Wie­der­be­schaf­fungs­auf­wands führt. Nur unter ganz bestimm­ten beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen wer­den die tat­säch­lich ent­stan­de­nen und kon­kret nach­weis­ba­ren Repa­ra­tur­kos­ten eben­falls erstat­tet. Hier­für muss das Fahr­zeug wie­der­um min­des­tens 6 Mona­te wei­ter­ge­nutzt und die Repa­ra­tur sach- und fach­ge­recht den Vor­ga­ben des Gut­ach­ters ent­spre­chend aus­ge­führt wer­den. Außer­dem muss nach­ge­wie­sen wer­den, dass die Repa­ra­tur nicht unwirt­schaft­lich war, zum Bei­spiel durch die Ver­wen­dung von Gebraucht­tei­len, den Ein­satz einer Eigen­leis­tung oder dem Erhalt eines Werk­stattra­bats.

Mit die­sem Fach­ar­ti­kel kann nur ein Über­blick über die gän­gi­gen Vor­gän­ge der Scha­dens­re­gu­lie­rung gege­ben wer­den. Dar­über hin­aus kommt es gele­gent­lich zu Son­der­fäl­len in der Abrech­nung. Daher und auf Grund des hohen Streit­po­ten­ti­als, dass sich aus den wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Ver­si­che­run­gen ergibt, emp­fiehlt sich die Bera­tung durch unab­hän­gi­ge Sach­ver­stän­di­ge und Rechts­an­wäl­te. Das B&B Inge­nieur­bü­ro steht Ihnen jeder­zeit mit Rat und Tat zur Sei­te.


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Rechts­an­wäl­te Bie­le­feld
Recht und Rad
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