Welche Rechte stehen einem Unfallgeschädigtem zu?

11. Januar 2017
rb_admin

Kfz-Ingenieurbüro Boskovski in Düsseldorf
In Bezug auf die Rech­te und Pflich­ten, die Ihnen als geschä­dig­ter Ver­kehrs­teil­neh­mer zuste­hen, herrscht nicht sel­ten Unei­nig­keit. Mit die­sem Arti­kel möch­ten wir Ihnen daher einen Über­blick über die aktu­el­le Recht­spre­chung geben.

Grund­sätz­lich steht Ihnen als geschä­dig­tem Ver­kehrs­teil­neh­mer die Ersatz­leis­tung aller durch den Unfall ent­stan­de­nen Kos­ten durch die geg­ne­ri­sche Haft­pflicht­ver­si­che­rung zu, sodass letzt­end­lich ein Zustand wie­der­her­ge­stellt ist, als hät­te es kei­nen Unfall gege­ben. Gemin­dert wird die­ses Recht ledig­lich durch das Vor­lie­gen einer Teil­schuld am Ver­kehrs­un­fall, durch die anfal­len­de Kos­ten für einen genutz­ten Miet­wa­gen, einen Abschlepp­dienst oder Stand­kos­ten des Fahr­zeugs, antei­lig auf Sie abge­wälzt wer­den kön­nen.
Sofern es sich nicht um Baga­tell­schä­den bis zu 715€ han­delt, kön­nen Sie sich auf Kos­ten der geg­ne­ri­schen Ver­si­che­rung einen unab­hän­gi­gen Scha­den­gut­ach­ter und einen Rechts­an­walt Ihrer Wahl zur Hil­fe neh­men, damit zwi­schen Ihnen und der Gegen­par­tei in gewis­ser Hin­sicht Waf­fen­gleich­heit besteht. Die­se sor­gen nicht nur dafür, dass Ihnen die maxi­mal zuste­hen­den Ersatz­leis­tun­gen zuge­spro­chen wer­den, son­dern erle­di­gen den gesam­ten damit ver­bun­de­nen Schrift­ver­kehr mit der Ver­si­che­rung. Selbst wenn die Gegen­par­tei schon einen abhän­gi­gen Gut­ach­ter bestellt hat und Sie dem Gut­ach­ten miss­trau­en, kön­nen Sie auch nach­träg­lich einen Gut­ach­ter Ihrer Wahl beauf­tra­gen.

Scha­den­min­de­rungs­pflicht unter der Lupe

Bei Inan­spruch­nah­me des Rechts auf Erstat­tung von Fol­ge­schä­den in Ver­bin­dung mit dem Ver­kehrs­un­fall, beru­fen sich Ver­si­che­rer fälsch­li­cher­wei­se schnell auf die soge­nann­te Scha­den­min­de­rungs­pflicht, um die Schä­den mög­lichst klein zu hal­ten. Der Geschä­dig­te sol­le sich dem­nach so ver­hal­ten, als müss­te er den Scha­den selbst bezah­len und somit auf bestimm­te Ersatz­leis­tun­gen ver­zich­ten. Jedoch hat das BGH unlängst klar­ge­stellt, dass die­se Defi­ni­ti­on der Scha­den­min­de­rungs­pflicht nicht zutref­fen ist, son­dern viel­mehr ein Ver­hal­ten, dass die Scha­den­be­sei­ti­gung in ver­nünf­ti­ge Gren­zen hält. Dies darf jedoch beim Geschä­dig­ten bzw. des­sen Fahr­zeug, zu kei­nem tech­ni­schen oder wirt­schaft­li­chen Nach­teil füh­ren. In der Pra­xis erge­ben sich dazu unzäh­li­ge Fall­bei­spie­le, die spe­zi­fisch erläu­tert wer­den müss­ten.

Ersatz­leis­tun­gen im Detail

Der Geschä­dig­te hat den Anspruch auf Wie­der­her­stel­lung des ursprüng­li­chen Zustands des beschä­dig­ten Fahr­zeugs und kann es daher auf Kos­ten der Ver­si­che­rung gemäß Her­stel­ler­vor­ga­ben voll­stän­dig repa­rie­ren las­sen. Die Repa­ra­tur­kos­ten kön­nen sich sogar auf bis zu 130% des aktu­el­len Zeit­wer­tes belau­fen, sofern das Fahr­zeug min­des­tens wei­te­re 6 Mona­te in Betrieb ist und sofern es ent­spre­chend dem aner­kann­ten Scha­den­gut­ach­ten repa­riert wur­de. Rabat­te für Ersatz­tei­le oder Repa­ra­tur­ei­gen­leis­tun­gen dür­fen dabei von der Ver­si­che­rung nicht ange­rech­net wer­den. Geht mit der Repa­ra­tur und dem Aus­tausch von Ver­schleiß­tei­len aller­dings eine Wert­erhö­hung ein­her, ist der Ver­si­che­rer zu einem „Neu gegen Alt“-Abzug berech­tigt.
Kommt es in Ver­bin­dung mit der Repa­ra­tur zur Not­wen­dig­keit einer Lackie­rung von Fahr­zeug­tei­len, kön­nen sowohl die Kos­ten für die Ver­brin­gung zur Karos­se­rie­werk­statt als auch die Kos­ten für eine Bei­la­ckie­rung von angren­zen­den Fahr­zeug­tei­len gel­tend gemacht wer­den. Ob sich der Geschä­dig­te jedoch für die Repa­ra­tur des Scha­dens oder eine fik­ti­ve Aus­zah­lung der berech­ne­ten Kos­ten ohne die Mehr­wert­steu­er ent­schei­det, bleibt allein ihm über­las­sen. In bei­den Fäl­len darf ihm dadurch kei­ne finan­zi­el­le Benach­tei­li­gung bei­gefügt wer­den.
Zusätz­lich zu den Repa­ra­tur­kos­ten fällt die Aus­zah­lung der soge­nann­ten mer­kan­ti­len Wert­min­de­rung an, die mit einem Unfall­scha­den in der Regel ein­her­geht. Im Fal­le eines wirt­schaft­li­chen Total­scha­dens bzw. bei Nichtin­an­spruch­nah­me der 130%-Regelung, wird der Wie­der­be­schaf­fungs­wert des Fahr­zeugs auf Basis des regio­na­len Markt­prei­ses abzüg­lich des Rest­wer­tes berech­net. Sogar die Kos­ten, die ein für die Suche eines Ersatz­fahr­zeugs beauf­trag­ter Gut­ach­ter in Rech­nung stellt, kön­nen auf die Ver­si­che­rung über­tra­gen wer­den. Dazu zäh­len eben­so die Nut­zung eines Miet­wa­gens bei Nach­weis der Not­wen­dig­keit, sowie die Stand­ge­büh­ren für das nicht mehr fahr­taug­li­che Fahr­zeug.

Ersatz­leis­tun­gen für Fol­ge­schä­den

Neben den rei­nen Mate­ri­al­kos­ten, zie­hen Ver­kehrs­un­fäl­le auch häu­fig mit­tel­ba­re Fol­ge­schä­den nach sich, die eben­falls vom Unfall­ver­ur­sa­cher begli­chen wer­den müs­sen. Damit ver­bun­den sind Eigen­an­tei­le bei Heil­be­hand­lungs­kos­ten im Fal­le von Ver­let­zun­gen und die Aus­zah­lung eines ange­mes­se­nen Schmer­zens­gel­des. Kommt es durch den Unfall zu einem Ver­dienst­aus­fall, einer lebens­lan­gen Erwerbs­un­fä­hig­keit oder zu soge­nann­ten ver­mehr­ten Bedürf­nis­sen (Umbau­kos­ten für die Woh­nung, Klei­dung, ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel etc.), kön­nen damit ent­ste­hen­de Leis­tun­gen eben­falls gel­tend gemacht wer­den.
Auch die Kos­ten für das Abschlep­pen und Ber­gen des Fahr­zeugs sowie Gebüh­ren für die An- und Abmel­dung beim Stra­ßen­ver­kehrs­amt, gehö­ren zu den ersatz­fä­hi­gen Scha­den­po­si­tio­nen. Anfal­len­de Tele­fon- und Por­to­kos­ten kön­nen mit bis zu 20€ ange­setzt wer­den. Soll­ten in dem Fahr­zeug Gepäck­stü­cke oder Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de beschä­digt oder zer­stört wor­den sein, haben Sie auch in die­sem Fall das Recht auf Scha­den­er­satz.
Wir emp­feh­len Ihnen an die­ser Stel­le für eine rei­bungs­lo­se Scha­den­ab­wick­lung direkt am Unfall­ort Beweis­bil­der mit dem eige­nen Smart­pho­ne zu machen und Ihnen vom Unfall­ver­ur­sa­cher alle not­wen­di­gen Per­so­nal- und Ver­si­che­rungs­da­ten aus­hän­di­gen zu las­sen. Ger­ne sind wir Ihnen als unab­hän­gi­ges B&B Inge­nieur­bü­ro dabei behilf­lich, Ihr gesetz­li­ches Recht durch­zu­set­zen. Spre­chen Sie uns an!

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